Gemälde von Dieter Barth „Selbstbildnis einer unfeinen Gesellschaft“ im Deutschen Spielkartenmuseum.

Beitrag auf der Website der Stadt Leinfelden-Echterdingen anlässlich der Übereichung des Gemäldes „Selbstbildnis einer unfeinen Gesellschaft“ an das Deutsche Spielkartenmuseum.

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Einführungsrede anläßlich meiner Ausstellung in Oldenburg, gehalten von Herrn Jürgen Weichardt, Mitglied des Vorstands des Oldenburger Kunstvereins.

Was sehen wir eigentlich in diesen Stadt- und Landschaften?  Würden wir nur berichten, Dieter Barth malt Bilder zu Venedig oder Herrenchiemsee, dann entspräche das einer so allgemeinen Aussage wie „Die Welt ist schön und rund“. Dieter Barth schafft Variationen zu Themen, die wir zu kennen meinen, um dann beim Betrachten dieser Variationen zuzugeben – so haben wir das bisher nicht gesehen. Darin ist kein Vorwurf an uns Rezipienten zu erkennen, sondern die auffällige Diskrepanz zwischen gängiger Vorstellung, überlieferter Erfahrung und subjektiver Version des Künstlers Dieter Barth unterstreicht vielmehr, wie weit sich der Künstler von den Klischees der Erinnerung distanzieren kann, wenn er seine Bilder malt.

Ein Schlüsselbild habe ich hier herausgestellt; es ist freilich in seiner Symbolik  anders als die architekturbezogenen oder gesellschaftsrelevanten Gemälde:  Dieses Bild heißt „Weisheit trifft Weisheit“ und ist ein Knoten aus mehreren Bezüglichkeiten.

Da ist der Kopf eines älteren Mannes, von dem man annehmen kann, dass er Lebenserfahrung gesammelt hat und folglich „Weisheit“ besitzt. Mindestens meint er das von sich selbst, wie man immer wieder feststellen darf. Und dem begegnet eine Eule, der Vogel, den man nicht nach Athen tragen sollte, weil es dort schon so viele gegeben hat und noch gibt. Die Begegnung führt nicht zu einer Potenzierung der Weisheit, was wünschenswert wäre, sondern erfahrungsgemäß dazu, dass eine Weisheit von beiden Federn lassen muss. Dieter Barth lebt in Bayern, trotzdem sehe ich keinen direkten Bezug auf die Weisheit der Bayern: Vielmehr die Erkenntnis, dass eins und eins nicht zwei ergeben muss, sondern weniger. Jedenfalls bei der Weisheit.

Warum ein Schlüsselbild? Es ist die Sprache, der Titel, die das Bild tragen, und mit der Sprache verbindet sich der ganze Bildungskanon, auch wenn das Bild selbst ganz einfach gehalten ist. Das ist eine Methode, die wir häufig antreffen und die Dieter Barth vorzüglich beherrscht – selbst in so landschaftlich geprägten Bildern wie dort wirkt diese Art der Titelgebung: Delphi sagt uns viel mehr als Tal.

Dieser Umgang mit Sehgewohnheiten, Klischees verbindet sich in vielen Bildern mit einer Lust am Erzählen, am Fabulieren, die außergewöhnlich intensiv ist. Es sind gerade die Venedigbilder, die Dieter Barth dazu verführen, den schönen und so oft bewunderten Ansichten noch weitere Versionen hinzuzufügen. „Was Canaletto nicht sah“ war das Innere der Lagunenstadt. Und das Innenleben einer Stadt, einer Gesellschaft wird stets bestimmt vom Alltag des durchschnittlichen Bürgers, Handwerkers und ihren Familien in engen Räumen, während die Geschichtsschreibung sich mit den Menschen beschäftigt, die oben in den Palästen mehrere Säle für sich haben.  Deren Pracht kann blenden, und Dieter Barth nutzt das Alto Aqua, um die Fragilität nicht nur der Architektur, auch der gesellschaftlichen Struktur anzuzeigen, zumal das Hohe Wasser kein H2O sein muss, sondern z.B. auch der Tourismus, der durch die Paläste gespült wird.

Dieter Barth lebt im Berchtesgadener Land, am besten zu erreichen über die Autobahn nach Salzburg, von der gleich nach der Grenze eine Linie nach Graz führt. Schon die erste Abfahrt weist den Weg zurück nach Bayern, und der erste Ort ist Marktschellenberg. Man kann natürlich auch von Bad Reichenhall den Weg über die Landstraße nehmen. Mir kommt es auf die Nähe zu Österreich an, die auch gegeben war, als Dieter Barth in Passau aufwuchs. Davon liegt nur eine Stunde Linz entfernt, wo unser Künstler in den 60er Jahren studiert hat. Zu jener Zeit wirkte Anton Watzl in Linz an der Donau, der damals von Ursula Wendtorf für Oldenburg entdeckt worden war.

Im Gespräch anlässlich des Bildertransports kamen wir auf Anton Watzl zu sprechen und Dieter Barth erhob sich, mir eine Grafik zu zeigen, die ihm Anton Watzl geschenkt hatte. Nicht die Erinnerung ist hier wichtig, sondern die offensichtliche Tatsache, dass bei beiden Künstlern, die in Linz geprägt worden waren, die Zeichnung eine dominierende Rolle gespielt hat und im Falle von Dieter Barth noch spielt.

Es ist die Liebe zum Gegenstand, zum erzählbaren Motiv, die die Arbeitsweise von Dieter Barth bestimmt. Mir scheint unwahrscheinlich, dass er vor der grundierten Leinwand oder vor dem Zeichenblatt sitzt und noch nicht weiß, was er auf den Malgrund setzen soll. Im Einzelfall vielleicht, doch im Grunde ist sein Kopf voll von Ideen, die von Motiven der europäischen Kunst, der Geschichte und nicht zuletzt von der Antike angeregt worden ist. Diese ist ja in unserer Gegenwart durchaus nicht so gegenwärtig wie zu vergangenen Zeiten. In manchen Bildern von Dieter Barth lebt sie in Ansichten aus der Renaissance oder dem Klassizismus fort. Und wenn der Künstler das Motiv des Floßes wählt, dann wohl weniger allein wegen der aktuellen Flüchtlingsfrage, sondern weil das Motiv sichtbar macht, wie auch die Themen und Werte der Antike auf einem unsicheren Floß in unsere Zeit und in unser Bewusstsein gelangen und bei weitem nicht mehr bei den „Modernen“ oder „Postmodernen“ ankommen.

Das heißt also, dass jede Figur, jeder Gegenstand, jede Architektur bewusst auf den Malgrund gesetzt wurde. Und fortschreitend in der Arbeit wird das Narrative immer dichter, vielleicht, bis es den Künstler selbst überrascht und er die Notbremse zieht. Das geschieht immer dann, wenn es scheint, dass er sich in klassische Themen zu verlieren droht. Im Falle des Tales von Delphi weiß er sich auf die weite Landschaft mit ihren griechisch-sakralen Resten zu beschränken

Dieter Barth spricht von einem „Kleinen Welttheater“ und meint damit tatsächlich Darstellungen wie auf der Bühne. Er öffnet die Räume der venezianischen Palazzi und stellt sich das Leben darin vor.  Das öffnet ein eigenes Kapitel, das mit dem Bildtitel „Esskultur“ überschrieben werden könnte oder auch mit „Festspiele“. Das erste ist ein ewiges Thema in der Malerei, das zweite ist neueren Datums. Dieter Barth sieht beide eng miteinander verbundene Themen mit einem zwinkernden Auge: Die Pracht der Speisen ist gegessen, die Austernschalen erinnern daran. Und die Darstellung der Personen nähern sich der Karikatur, aber nicht, indem sie extravagant über sich hinaus wachsen, sondern schrumpfen. Der berühmte Satz „Kleider machen Leute“ wird hier in Frage gestellt.

Der leise Spott, den Dieter Barth in seinem „Kleinen Welttheater“ über die gewohnten und geliebten Themen und Motive legt, wirkt nicht – wie ich meine – verletzend, ist auch nicht beißend, sondern fast liebevoll, erheiternd, aufklärend, wenn nicht weise. Der Zusammenstoß mit dem Vogel der Weisheit hat nicht geschadet, sondern die vielfältigen Erinnerungen in ihrem Wert zurechtgerückt.

 

 

 

 

Einladung zur Ausstellungseröffnung „Dieter Barth I Gemaltes Welttheater. Am 23. August 2016 beginnt die Ausstellung meiner Werke im Elisabeth-Anna-Palais in Oldenburg unter der Schirmherrschaft des Landesverbandes Oldenburgische Landschaft.

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30.03.2016 „Ausgewählte Arbeiten“ Impressionen in Form einer Slideshow

 

 

 

Einladung zur Austellung „DIE WELTANSCHAUUNGEN DES DIETER BARTH“

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Impressionen in Form einer Diashow anlässlich meiner Austellung im Juni 2015 in der Galerie KG FreiRäume in A-5400 Hallein.

 

 

 

Presseartikel zur Ausstellung in der Galerie KG FreiRäume, erschienen am 15.06.2015 im Berchtesgadener Anzeiger.

 

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